Hanföl ist ein Speiseöl, das aus den Samen der Hanfpflanze gepresst wird. Kaltgepresst hat es ein kräftiges Aroma und oft eine grüne Farbe, ähnlich wie andere Öle aus Samen und Nüssen.
Bekannt ist das Öl vor allem für seine Fettsäuren, denn es liefert viel Omega-6 und einen guten Anteil Omega-3. Mit CBD-Produkten hat es dagegen wenig zu tun, auch wenn beide aus derselben Pflanze stammen und ähnlich heißen.
Dieser Ratgeber erklärt, was in Hanföl steckt und was über seine Wirkung bekannt ist. Er zeigt außerdem, wie man es in der Küche und für die Haut verwendet und worauf es beim Kauf ankommt. Der Stand der Informationen ist November 2026.
Was ist Hanföl? Hanfsamenöl erklärt

Hanföl und Hanfsamenöl sind zwei Namen für dasselbe Produkt, das aus den Samen von Nutzhanf gewonnen wird. Gemeint sind Sorten, die in der EU nur mit einem sehr niedrigen THC-Gehalt unter 0,3 Prozent angebaut werden dürfen.
Die Samen enthalten ähnlich wie Nüsse, Lein- oder Sesamsamen Fett, Eiweiß und Vitamine sowie Ballast- und Mineralstoffe. Neben dem Öl werden aus ihnen auch Hanfmehl und Hanfprotein hergestellt, die man ebenfalls im Handel findet.
So wird Hanföl hergestellt

Für kaltgepresstes Hanföl werden die Samen in einer Ölmühle ohne zusätzliche Wärme ausgepresst, danach wird das Öl nur noch gefiltert. So behält es seine Farbe und das Aroma der Samen.
Raffiniertes Öl wird nach dem Pressen in weiteren Schritten gereinigt und schmeckt danach fast neutral. Dabei gehen laut DGE neben unerwünschten Stoffen auch Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe und Aromastoffe verloren. Wer Hanföl wegen seines Geschmacks kauft, greift deshalb zur kaltgepressten Sorte.
Enthält Hanföl THC?

In den Samen selbst bildet die Pflanze keine Cannabinoide, weil ihnen die feinen Drüsenhaare fehlen, in denen THC und CBD entstehen. Bei der Ernte kommen die Samen aber mit Blüten und Blättern in Berührung, sodass das fertige Öl Spuren von THC enthalten kann.
In einem Test, auf den die Verbraucherzentrale verweist, waren in allen geprüften Hanfölen zumindest Spuren davon zu finden. Seit Anfang 2023 gilt in der EU ein Höchstgehalt von 7,5 Milligramm THC pro Kilogramm Hanföl. Damit ist die Sicherheit klassischer Hanflebensmittel laut Verbraucherzentrale besser geworden.
Sportler sollten trotzdem wissen, dass nach dem Verzehr von Hanfprodukten unter Umständen Stoffe im Urin auffallen, die bei Dopingkontrollen eine Rolle spielen. Was beim Training zu beachten ist, steht im Ratgeber zu CBD Sport.
Hanföl Wirkung: Nährstoffe und Studienlage

Hanföl wirkt nicht wie ein Arzneimittel, sondern als Lebensmittel über die Nährstoffe, die es mitbringt. Laut Verbraucherzentrale besteht es zu rund 80 Prozent aus ungesättigten Fettsäuren, dazu kommt viel Vitamin E.
Omega-3 und Omega-6 im Hanföl

Den größten Anteil hat mit etwa 60 Prozent die Linolsäure, eine Omega-6-Fettsäure. Rund 20 Prozent entfallen auf Alpha-Linolensäure, die zu den Omega-3-Fettsäuren gehört, sodass auf drei Teile Omega-6 im Hanföl etwa ein Teil Omega-3 kommt.
Beide Fettsäuren sind lebensnotwendig, weil der Körper sie nicht selbst herstellen kann und sie mit der Nahrung aufnehmen muss. Hanföl ist damit eine pflanzliche Quelle für Omega-3, so wie Raps-, Walnuss- und Leinöl.
Welche Wirkung die EU anerkennt

In der Werbung und in Foren werden Hanfsamen viele Wirkungen zugeschrieben, vom Blutdruck über den Blutzucker bis zum Abnehmen. Wissenschaftlich nachgewiesen ist davon laut Verbraucherzentrale nichts, und die EU hat für Hanfsamen und Hanföl auch keine eigene Aussage zur Gesundheit zugelassen.
Anders sieht es bei den einzelnen Fettsäuren aus, für die es in der EU zugelassene Aussagen gibt. So trägt Alpha-Linolensäure zur Erhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut bei, wenn man täglich 2 Gramm davon aufnimmt.
Diese Menge steckt ungefähr in 10 Gramm Hanföl, also in einem Esslöffel. Eine ähnliche Aussage gibt es für die Linolsäure, bei der die Tagesmenge mit 10 Gramm deutlich höher liegt.
Hanföl Wirkung auf die Psyche

Weil das Öl von der Hanfpflanze stammt, fragen viele, ob es beruhigt oder die Stimmung hebt. Belege dafür gibt es nicht. Cannabinoide wie THC und CBD bildet die Pflanze in Blüten und Blättern, nicht in den Samen, aus denen das Öl gepresst wird.
Auch der Umweg über Omega-3 führt hier nicht weit. Die langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA stammen vor allem aus Fisch und Algen. Aus der pflanzlichen Alpha-Linolensäure im Hanföl bildet der Körper laut Verbraucherzentrale nur geringe Mengen davon.
Hanföl Anwendung in der Küche

In der Küche passt Hanföl überall dort, wo sein Aroma zur Geltung kommen soll und das Öl nicht erhitzt wird. Diese Gerichte bieten sich an:
- Salatdressings und Vinaigrettes, in denen Hanföl einen Teil des üblichen Öls ersetzt
- Dips, Pesto und Kräuterquark, die durch das Öl eine leicht grüne Farbe bekommen
- Müsli, Joghurt und Smoothies, bei denen schon ein Löffel für den Geschmack reicht
- Kartoffeln, Gemüse oder Suppen, über die man das Öl erst nach dem Garen auf dem Teller gibt
Wer den kräftigen Geschmack erst kennenlernen möchte, mischt Hanföl am Anfang mit einem milderen Öl wie Rapsöl und erhöht den Anteil nach und nach.
Kann man mit Hanföl braten?

Für Braten, Frittieren und Backen eignet sich Hanföl schlecht. Je mehr mehrfach ungesättigte Fettsäuren ein Öl enthält, desto schlechter verträgt es laut Verbraucherzentrale Hitze. Hanföl gehört wie Leinöl zu den Ölen mit einem besonders hohen Anteil davon.
Unter Hitze kann sich außerdem die Vorstufe THCA in THC umwandeln. In einer Untersuchung, die das BfR beschreibt, stieg der THC-Gehalt beim Erhitzen auf 180 Grad allerdings nur leicht. Zum Anbraten bleibt ein hitzefestes Öl wie raffiniertes Rapsöl trotzdem die bessere Wahl.
Wie viele Esslöffel Hanföl am Tag?

Eine offizielle Mengenangabe speziell für Hanföl gibt es nicht. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) nennt für pflanzliche Öle allgemein etwa 10 Gramm am Tag, was ungefähr einem Esslöffel entspricht.
Wer Hanföl regelmäßig nutzt, tauscht es am besten gegen ein anderes Fett aus, statt es zusätzlich zu essen. Fett liefert laut DGE 9 Kilokalorien pro Gramm, sodass ein Esslöffel Öl schon auf rund 90 kommt.
Hanföl oder Leinöl?

Beide Öle stammen aus kleinen Samen, schmecken kräftig und gehören in die kalte Küche. Auch Leinöl zählt die DGE zu den Ölen mit einem nennenswerten Gehalt an Omega-3, es verdirbt aber besonders schnell. Laut Verbraucherzentrale kann eine angebrochene Flasche schon nach zwei bis fünf Wochen ranzig sein.
Ein Vorteil von Leinöl und Walnussöl ist, dass sie garantiert frei von THC sind. Wer ganz sichergehen möchte, kann deshalb zu einem dieser Öle greifen.
Hanföl für die Haut und die Haare

Auch in der Kosmetik wird Hanföl genutzt, etwa in Cremes, Seifen, Lippenpflege und Haarölen. Pur dient es als Pflegeöl, zum Beispiel für trockene Hände, Ellenbogen oder Haarspitzen.
Zur Wirkung auf der Haut gibt es nur wenige Studien. In einer Studie aus Finnland nahmen Menschen mit Neurodermitis über insgesamt 20 Wochen abwechselnd Hanföl und Olivenöl mit der Nahrung zu sich.
In der Zeit mit Hanföl war ihre Haut weniger trocken und juckte seltener. Außerdem mussten sie seltener zu Salben mit Medikamenten greifen.
Für eine Empfehlung reicht eine einzelne Studie aber nicht aus, und Neurodermitis gehört in ärztliche Behandlung. Die Ergebnisse beziehen sich außerdem auf Öl, das gegessen wurde, und nicht auf Öl, das man aufträgt.
Zur Wirkung auf die Haare fehlen Studien. Wer es ausprobieren möchte, gibt ein paar Tropfen in die trockenen Spitzen, ähnlich wie bei Argan- oder Olivenöl. Häufig dient Hanföl auch als Grundlage für Pflegeprodukte mit Cannabidiol, einen Überblick gibt der Ratgeber zu CBD-Kosmetik.
Hanföl und Cannabidiol: worin der Unterschied liegt

Hanföl und CBD-Öl werden oft verwechselt, weil beide aus Hanf stammen und manche Hersteller ihr CBD-Produkt als Hanföl bezeichnen. Für ein CBD-Öl wird ein Extrakt mit Cannabidiol in einem Trägeröl gelöst, und das ist häufig Hanföl. So unterscheiden sich die beiden Öle:
- Rohstoff: Hanföl wird aus den Samen gepresst, Cannabidiol stammt aus den Blüten und Blättern der Pflanze.
- Inhalt: Hanföl liefert vor allem Fettsäuren, bei CBD-Öl steht der Gehalt an Cannabidiol im Vordergrund.
- Etikett: Bei CBD-Öl ist der CBD-Gehalt in Prozent oder Milligramm angegeben, bei reinem Hanföl fehlt diese Angabe.
- Verwendung: Hanföl ist ein Lebensmittel für die Küche, CBD-Öl nimmt man in einzelnen Tropfen ein.
In Deutschland ist CBD-Öl frei verkäuflich, solange es höchstens 0,3 Prozent THC enthält. Welche Stärken es gibt und wie es hergestellt wird, zeigt der Ratgeber zu CBD-Öl.
Auch bei Tierprodukten lohnt ein genauer Blick auf das Etikett, weil unter dem Namen Hanföl für Hunde auch Öle mit CBD verkauft werden. Was dabei wichtig ist, steht im Ratgeber zu CBD für Hunde.
Hanföl kaufen: bio, kaltgepresst und haltbar

Beim Kauf von Hanföl helfen ein paar Angaben auf der Flasche und ein Blick auf die Verpackung:
- Kaltgepresst oder nativ: Nur so behält das Öl seinen vollen Geschmack und die grüne Farbe.
- Bio: Das Bio-Siegel zeigt, dass der Hanf ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel angebaut wurde.
- Dunkle Flasche: Licht lässt Öl schneller verderben, dunkles Glas schützt besser als eine klare Flasche.
- Kleine Menge: Eine kleine Flasche ist nach dem Öffnen schneller aufgebraucht, bevor das Öl ranzig werden kann.
- Lagerung: Ungeöffnet an einem dunklen, kühlen Ort, nach dem Öffnen am besten im Kühlschrank.
- Laborwerte: Manche Hersteller veröffentlichen Prüfberichte zum THC-Gehalt ihres Öls.
Riecht oder schmeckt das Öl ranzig, sollte es nicht mehr verwendet werden. Reste gehören dann in einem verschlossenen Gefäß in den Restmüll und nicht in den Abfluss.
Hanföl: häufig gestellte Fragen

Als Speiseöl bringt Hanföl viele ungesättigte Fettsäuren mit und kann andere Öle in einer abwechslungsreichen Ernährung ergänzen. Die DGE empfiehlt vor allem Rapsöl, daneben Walnuss-, Lein-, Soja- und Olivenöl. Hanföl nennt sie in dieser Liste nicht.
Ja, manche nehmen es löffelweise pur, ähnlich wie Leinöl. Wem der Geschmack zu kräftig ist, mischt es lieber unter andere Speisen oder in ein Getränk.
Eine bestimmte Tageszeit gibt es nicht, weil Hanföl ein Lebensmittel und kein Arzneimittel ist. Am einfachsten ist es, das Öl zu einer Mahlzeit zu essen, zum Beispiel zum Frühstück oder zum Abendessen.
Kaltgepresste Öle halten laut Verbraucherzentrale ungeöffnet meist 9 bis 12 Monate. Nach dem Öffnen sollte die Flasche am besten innerhalb von zwei Monaten aufgebraucht sein.
Ja, viele nutzen es pur oder als Bestandteil von Cremes. Am besten sparsam auf trockene Stellen geben und bei empfindlicher Haut vorher an einer kleinen Stelle testen, ob man es verträgt.
Nein. Die THC-Mengen, die im Speiseöl vorkommen, sind laut Verbraucherzentrale zu gering, um berauschend zu wirken.
Das Risiko bei Hanföl betrifft vor allem THC. Nach Modellrechnungen des BfR können Öle mit hohen THC-Werten dazu führen, dass Kinder die als unbedenklich geltende Tagesmenge überschreiten. Diese Einschätzung stammt aus dem Jahr 2022, also aus der Zeit vor dem EU-Höchstgehalt.
Fazit zu Hanföl
Hanföl ist ein aromatisches Speiseöl aus Hanfsamen mit viel Omega-6 und einem ordentlichen Anteil Omega-3. Es gehört in die kalte Küche, eignet sich auch als Pflegeöl und hat mit CBD-Öl außer der Pflanze wenig gemeinsam.
Heilwirkungen sind nicht belegt, als Abwechslung zu Raps- oder Olivenöl hat es in der Küche aber seinen Platz. Beim Kauf zählen kaltgepresste Ware, eine dunkle Flasche und eine Größe, die nach dem Öffnen schnell aufgebraucht ist.
